Ausstellung Jürgen Raap

Jürgen Raap in der Galerie Kallenbach
Als Kunstpublizist ist Jürgen Raap eine bekannte Größe. Dass der 1952 geborene Vollblutkölner parallel den Pinsel schwingt, hat sich hingegen weniger herumgesprochen. Diese potenzielle Bildungslücke füllt derzeit Galeristin Angelika Kallenbach mit einem empfehlenswerten Soloauftritt; ein spannendes Gemäldepanorama (2006–2009) macht bekannt mit dem Multimedia-Klasse von Daniel Spoerri entstammenden Mehrfachtalent. Vor seinem Kunststudium an den Kölner Werkschulen schloss Raap sein germanistisches und kunsthistorisches Studium mit einer Examensarbeit über Max Ernst ab. Unter de Überschriften “Erinnerungen“ versammelt sind rund vierzig klein- und mittelformatige Öl- und Acrylkompositionen, die der Maler und Performancekünstler den Rubriken „Phantastischer Realismus“ oder „metaphysisch-urbane Malerei zuordnet. Vorläufer bilden Skizzen und Aquarelle, die Kölner Kindheitsreminiszenzen oder Reiseerinnerungen (Brüssel, Paris oder Japan) festhalten. Im Brennpunkt frei erfundener Bildpläne stehen die dialektisch aufgefächerten Themen: Zeit (gestern und heute), Lebensräume, sowie die Probleme Zivilisation, Technik und Fortschritt. Die gelegentlich mit Menschen, Fabelwesen oder Mythen besetzten Schauplätze einer weitgehend gegenständlichen Gemäldewelt sind dämmrige Hafengegenden, Kiesgruben, melancholisch gestimmte Straßen- und Bahnhofsszenen oder verlassene Industrie- und Brachlandzonen. Nicht zu übersehen sind kunsthistorische Paraphrasen, humorvolle Spiele mit Kunstzitaten von Giorgio de Chirico, Paul Delvaux oder René Magritte.
Christina zu Mecklenburg
General-Anzeiger Bonn, 25. November 2009
