Jürgen Raap

Die Szenarien in Jürgen Raaps Bildern wirken irreal und traumhaft, manchmal auch phantastisch. Doch die Motive entspringen allesamt direkten Erlebnissen und Anschauungen: Er visualisiert Erinnerungen an die Kindheit, als noch bis weit in die 1960er Jahre die Trümmergrundstücke aus dem Krieg das Stadtbild prägten. Die Eisenbahnlinien und altmodische Lokomotiven stehen ikonografisch für eine Epoche, in der man noch die Bahnhöfe wie Kathedralen baute. Heute jedoch haben sie ihre Mysterien längst eingebüßt, und auch die afrikanischen Ritualmasken, die man in den Schaufenstern des Brüsseler Mantongé-Viertels sehen kann, sind gründlich entzaubert worden: Die meisten von ihnen stammen nämlich in Wirklichkeit aus indonesischen Werkstätten. Deswegen haben sie nur noch einen rein folkloristischen Wert.

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In Raaps Bildkanon tauchen vernachlässigte Brachflächen in den urbanen Randgebieten auf, und dort werden die zerbröckelnden Ruinen der Industriekultur von mutierten Dschungelpflanzen überwuchert. Raap malt eine untergehende, im Verschwinden begriffene Welt, mit verlassenen Hafenanlagen und maroden Fabrikhallen, die einer neuen Investorenästhetik weichen müssen, und mit düsteren Bahndämme. Es sind oft völlig menschenleere Szenarien, und wenn in diesen Bildern doch mal Figuren auftauchen, dann wirken sie einsam und seltsam verloren in dieser Welt des untergehenden bürgerlichen Zeitalters.

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Jürgen Raap, 1952 in Köln geboren, studierte Kunstwissenschaften und Germanistik an der Universität Köln. Seine Examensarbeit schrieb er über Max Ernst. Anschließend studierte er Freie Kunst an den Kölner Werkschulen, unter anderem in der Multimedia-Klasse von Prof. Daniel Spoerri. Raap lebt in Köln als Maler, Performer, Autor und Journalist (Kunstkritiker).